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Markus Winterholer · Chief Sales Officer Arkena SaaS ·

Digitalisierungsstrategie verankern: Change Management, das wirklich greift

Wie Industrieunternehmen Digitalisierungsstrategie und Change Management strukturiert verankern — ohne versteckte Middleware-Kosten und Kultur-Chaos. Jetzt lesen.

Inhalt

Digitalisierungsstrategie verankern: Change Management, das wirklich greift


Die unterschätzte Wahrheit hinter Digitalisierungsprojekten

„IoT ist leicht gesagt, aber schwer umgesetzt” — mit dieser Direktheit eröffnet Markus Winterholer das Gespräch. Winterholer ist Chief Sales Officer bei Arkena, einem auf industrielle IoT-Plattformen spezialisierten SaaS-Unternehmen. Er verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung als IoT-Plattform-Verantwortlicher bei Siemens und Amazon, saß im Verwaltungsrat von Georg Fischer und hat Digitalisierungstransformationen in mehreren Industriekonzernen geleitet.

Sein zentrales Argument: Fertigungsunternehmen — insbesondere in MedTech, Pharma und Maschinenbau — verwechseln operative Digitalisierungsprojekte mit echter strategischer Transformation. Sie implementieren Technologie, versäumen aber den parallelen Wandel von Geschäftsmodell, Unternehmenskultur und HR-Strukturen. Das Ergebnis: Middleware-Kosten, die niemand kalkuliert hat, und Change-Management-Versagen, das 80 % der Belegschaft im Widerstand hält.

Diese Seite destilliert die Kernerkenntnisse aus Winterholers Analyse — konkrete Frameworks, reale Metriken und umsetzbare Entscheidungslogik für Führungskräfte, die Digitalisierungsstrategie nicht nur ankündigen, sondern dauerhaft im Unternehmen verankern wollen.


Die wichtigsten Erkenntnisse


Im Detail: Wie Digitalisierungsstrategie und Change Management wirklich verankert werden

Digitalisierungsprojekte scheitern häufig nicht an der Technologie, sondern an unterschätzten Betriebskosten. IoT-Implementierungen, Middleware-Lösungen und Change-Management erfordern erheblich mehr Ressourcen als initial geplant. Wer diese versteckten Kosten nicht berücksichtigt, riskiert Budgetüberschreitungen und verzögerte Strategieumsetzung — eine vermeidbare Kostenfalle.

Die versteckten Kosten, die keiner im Budget hat

Wer eine IoT-Implementierung plant, denkt zunächst an Hardware, Sensoren und eine App. Middleware wird als technisches Detail behandelt — schnell aufgesetzt, kaum relevant. Diese Einschätzung ist einer der teuersten Denkfehler in der industriellen Digitalisierung.

Winterholer beschreibt es aus eigener Erfahrung mit ungewöhnlicher Präzision:

„Nach einem Jahr hatte ich dann schon ein Team von 15 Leuten, was diese einfache Middleware nur gehostet haben. Und später wurden das dann noch mehr. Und das sind richtige Kosten, die ich am Anfang gar nicht so im Blick hatte.”

Fünfzehn Vollzeitstellen — ausschließlich für den Betrieb einer Infrastrukturkomponente, die idealerweise unsichtbar bleibt. „Middleware-Plattform im besten Fall sieht man sie nicht — sie funktioniert einfach”, so Winterholer. Das Problem: Der Betrieb ist nicht unsichtbar. Er bindet Budget, Personen und Aufmerksamkeit, die im direkten Wettbewerb mit produktnahen Aufgaben stehen.

Der IoT-Mehrwert-Validierungsrahmen adressiert diesen blinden Fleck direkt. Er verlangt, dass vor jeder IoT-Initiative der vollständige Kostenblock kalkuliert wird: Hardware, Installation, Middleware-Betrieb (nicht nur -Aufbau), Software-Updates, Support-Strukturen und Subscription-Infrastruktur. Erst dann lässt sich ein belastbarer Business Case aufstellen — und die Frage beantworten, ob der Endkunde überhaupt bereit ist, für diesen Mehrwert zu zahlen.

Warum Digitalisierung das gesamte Geschäftsmodell betrifft

Der häufigste Irrtum in Digitalisierungsprojekten ist die Reduktion auf die technische Ebene. Ein Fertigungsunternehmen, das IoT-fähige Produkte auf den Markt bringen will, steht vor einem fundamentalen Transformationsproblem — und dieses Problem beginnt nicht im Engineering, sondern im Vorstand.

„Wenn ich so ein Produkt anbieten will, muss ich mein ganzes Geschäftsmodell ändern. Dann verändert sich meine Kultur, dann verändert sich die Zusammenarbeit, dann ist der HR mit involviert, dann macht es ein riesiges Fass auf.”

Winterholers Digitalisierungsstrategie-Implementierungs-Matrix übersetzt dieses Problem in sieben parallele Handlungsebenen: Top-Level-Commitment, Geschäftsmodell-Neugestaltung, Kulturtransformation, HR-Roadmap, Change-Management-Aktivierung, Technologie-Roadmap und regelmäßige Review-Zyklen. Keine dieser Ebenen ist optional — und keine kann zeitlich auf die anderen warten.

Besonders die Geschäftsmodell-Ebene wird unterschätzt. Software erfordert völlig andere Logiken als Hardware: ständige Produktinteraktion, regelmäßige Feature-Updates, Subscription-Pricing, und ein Vertriebsteam, das digitale Modelle tatsächlich verkaufen kann. „Das fängt dann beim Sales Team an, die dann die Software nicht verkaufen können”, beschreibt Winterholer einen Folgefehler, der regelmäßig eintritt, wenn IT-Abteilungen Aufgaben delegiert werden, für die sie strukturell nicht vorbereitet sind.

Das 80/20-Problem im Change Management

Change Management ist im Kontext der Digitalisierungsstrategie verankern nicht als Soft-Skill-Thema zu behandeln — es ist der operative Engpass.

„Es gibt auch Pioniere, die finden das super, die nutzen es. Und der Rest ist sehr, sehr, sehr träge, sehr schwierig von den neuen Lösungen zu überzeugen. Und das ist richtig viel Arbeit. Man muss da Training investieren, überzeugen, reden, kommunizieren.”

Der 80/20-Adoption-Split ist kein Zufallsphänomen — er ist die Norm. Zwanzig Prozent der Mitarbeiter adoptieren neue digitale Lösungen eigenständig und schnell. Die verbleibenden 80 % benötigen systematische Unterstützung: strukturierte Trainings, klare Signale vom Management, HR-Integration in die Digitalisierungsziele und aktive interne Kommunikation, die Widerstand nicht ignoriert, sondern adressiert.

Dies setzt voraus, dass Change Management nicht als Begleitmaßnahme, sondern als eigenständige Projektdimension mit eigenem Budget, eigenen Meilensteinen und eigenen Verantwortlichen geführt wird. Unternehmen, die Change Management an Projektmanager delegieren, die es nebenbei erledigen, schaffen sich selbst den größten Adoption-Bottleneck.

Für Kultur- und Organisationsentwicklung in der digitalen Transformation gilt konkret: Der Kulturtransfer muss vom Zielzustand her definiert werden — welche Zusammenarbeitsformen, Feedback-Zyklen und Entscheidungsgeschwindigkeiten braucht das transformierte Unternehmen? — und dann konsequent rückwärts in HR-Maßnahmen, Recruiting-Kriterien und Incentive-Strukturen übersetzt werden.

Top-Level-Commitment: Der einzige nicht verhandelbare Faktor

Alle anderen Variablen — Technologiewahl, Partnermodell, Budget — sind anpassbar. Top-Level-Commitment ist es nicht.

„Wenn Sie eine klare Strategie haben und dann auch gewillt sind, das durchzusetzen — die sind erfolgreich. Das funktioniert. Und das ist auch der große Unterschied bei den Firmen.”

Das ist keine Motivationsaussage. Es ist eine strukturelle Beobachtung: Ohne klares CEO- oder Vorstandscommitment konkurriert jede Digitalisierungsinitiative mit dem operativen Backlog — und verliert langfristig. Dedizierte Ressourcen, ein klares strategisches Mandat und öffentlich kommunizierte Prioritäten sind die Voraussetzung dafür, dass Change-Management-Maßnahmen Wirkung entfalten können.

Das Innovation-Budgetierungsmodell (20%-Zeit-Prinzip), das Winterholer aus seiner Amazon-Zeit beschreibt, ist ein konkreter Mechanismus: zwanzig Prozent der Arbeitszeit werden strukturell für Technologie-Exploration, Communities und Experimente reserviert — nicht als Freiwilligkeit, sondern als Governance-Entscheidung. „Bei Amazon hatten wir 20 % Zeit für Innovation… das ist mal pro der Zeit für Fortbildung, Leute können sich was anschauen, Leute können was Neues ausprobieren.” Ohne diesen strukturellen Schutz wird Innovationszeit vom Backlog-Druck absorbiert.

OT-IT-Integration: Zwei Welten, ein Architekturproblem

Für produzierende Unternehmen in Maschinenbau, MedTech und Pharma ist die OT-IT-Integration die technische Kernherausforderung jeder Industrie-4.0-Strategie.

„Profibus, ECAT oder OPCUA — das sind Machine-to-Machine-Protokolle. Wenn es Richtung IT-Systeme geht, dann sind es eben REST APIs. Das sind andere Protokolle. Es treffen zwei Welten aufeinander.”

Das OT-IT-Integration-Architektur-Framework strukturiert dieses Problem in sechs Schritte: Silos identifizieren, Middleware-Architektur definieren, Standard-Protokolle wählen (REST/HTTPS für Cloud, OPCUA/MQTT für OT-Bridging), Integration sequenzieren, Sicherheits- und Compliance-Modell etablieren (Was darf in die Cloud? Was bleibt on-Premise?), und spezialisierte Expertise sichern — denn weder reine OT- noch reine IT-Teams können diese Integration allein stemmen.

Die MES-ERP-Integration im IoT-Kontext ist ein typisches Beispiel für unterschätzte Komplexität: MES-Systeme, ERP-Instanzen, Warehouse-Management-Systeme und Supply-Chain-Plattformen müssen koordiniert werden, ohne dass Betriebsunterbrechungen entstehen. Die Architekturentscheidungen, die hier getroffen werden, bestimmen die langfristigen Betriebskosten — nicht die Entscheidungen beim initialen Setup.

Partner-First: Risikominimierung vor Ownership-Übernahme

Eine der operativ wertvollsten Empfehlungen aus Winterholers Erfahrung betrifft die Frage „Build or Buy” — oder präziser: „Partner, Build oder Acquire?”

„Meine Empfehlung ist immer, erst mit Partnern anzufangen, eine Partnerschaft einzugehen, dann da zu lernen, und dann, wenn man sieht, okay, wir fahren besser, wenn wir Ownership übernehmen, das erst zu integrieren.”

Die Partner-First-to-Ownership-Progression ist ein Drei-Phasen-Modell: In der ersten Phase (12–24 Monate) wird mit einem etablierten Partner operiert — der Fokus liegt auf Wissenstransfer, Use-Case-Validierung und dem Aufbau interner Kompetenz. Erst in der zweiten Phase erfolgt eine strukturierte Bew

Häufige Fragen

Wie überzeuge ich 80 % meiner Belegschaft von einer Digitalisierungsstrategie?

Pioniere adoptieren neue Lösungen von allein — die verbleibenden 80 % benötigen strukturiertes Training, klare Management-Signale und aktive interne Kommunikation. Change Management ist kein Nice-to-have, sondern der limitierende Erfolgsfaktor jeder Digitalisierungsinitiative im Mittelstand.

Warum scheitern Digitalisierungsprojekte trotz guter Technologie?

Weil Technologie nur eine Ebene ist. Ohne parallele Anpassung von Geschäftsmodell, Unternehmenskultur, HR-Strukturen und Vertriebsprozessen bleibt jede IoT- oder SaaS-Implementierung ein Inselprojekt — ohne strategische Verankerung und ohne messbare Wirkung auf das Kerngeschäft.

Wie kalkuliere ich die wahren Middleware-Kosten einer IoT-Initiative richtig?

Die Middleware-Architektur selbst ist in Stunden aufgebaut — der Betrieb bindet nach zwölf Monaten oft 15+ Vollzeitstellen, die keinen direkten Kundenmehrwert erzeugen. Realistisches IoT-Kostenmodell: Hardware, Installation, Middleware-Betrieb, Software-Updates, Support und Subscription-Infrastruktur vollständig einkalkulieren.

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